Ausgangssituation:
Die zirkuläre Zirkonbrücke sieht auf dem Modell und im Artikulator großartig aus. Doch in den Mund eingesetzt stellen wir fest, der Biss stimmt nicht. Gerade bei komplexen Zahnversorgung ist dies keine Seltenheit. In diesem Beitrag möchten wir aufzeigen, was die Ursachen sind und welche Lösungen es für eine wirklich reproduzierbare Bisserfassung ohne nervige Bissumstellungen gibt.
Nach verschiedenen Schätzungen haben ca. 50 % aller Patienten keine zentrische Bisslage mehr. Das ist jeder zweite Patient!
Wenn also die beiden Kondylen durch die habituelle Okklusion nicht mehr zentrisch positioniert sind, ist unsere Bissnahme auch nicht mehr zentrisch. Kurz gesagt wird mit der klassischen Handbissnahme, „Beißen Sie mal zu“ diese unphysiologische Bissnahme in den Artikulator übertragen. Das erklärt dann auch, warum wir so häufig den Biss umstellen müssen.
In unserem letzten therafunction Beitrag Dezember 2025 haben wir die Folgen und Auswirkungen im Artikulator ausführlich beschrieben.
Wenn die habituelle Okklusion also den Unterkiefer in eine unphysiologische Bisslage zwingt, wird schnell klar, dass die klassische Bissnahme mit „Beißen Sie mal zu“ unzureichend ist.
Denn mit „Beißen Sie mal zu“ stehen beide Kondylen weiter unphysiologisch. Damit wird diese „falsche“ Bisslage in den Artikulator übertragen.
Und schon haben wir eine Ursache, warum der Biss im Artikulator passt, aber eben nicht im Mund.
Lösungsansatz:
Schauen wir uns kurz die aktuelle Definition der zentrischen Relation an.
„Kranioventrale, nicht seitenverschobene Position beider Kondylen bei physiologischer Kondylus-Diskus-Relation und hysiologischer Belastung der beteiligten Gewebe. Völlig unabhängig von der Okklusion des Patienten!
Abhängig vom neuromuskulären Grundtonus!
Jedwede Manipulation führt zu Abweichungen!“
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik in der DGZMK 1994
In der Definition steht ganz klar, völlig unabhängig von der Okklusion des Patienten. Das heißt für eine zentrische Bissnahme braucht es etwas, womit wir die Okklusion entkoppeln können.
Mit einem Stützstiftregistrat kann die Okklusion sehr gut entkoppelt werden. Mögliche okklusale Störkontakte können so entkoppelt werden. Zudem kann die Bisshöhe mit dem Stützstift sehr gut und einfach wieder angehoben werden.
Prof. Gysi ist uns sicher allen als Pionier des extraoralen Stützstiftregistrates bekannt. Mc Grane und Prof. Gerber haben dann das intraorale Stützstiftregistrat weiterentwickelt. In der Totalprothetik wird das gute alte Stützstiftregistrat noch häufig für Bissregistrierung genutzt.
Doch viele Zahnmediziner und Zahntechniker haben ein gespaltenes Verhältnis zum Stützstiftregistrat. Die Anwendung wird häufig als kompliziert empfunden. Dabei wird das intraorale Stützstiftregistrat im Rahmen von Sachverständigengutachten zur Beurteilung der Okklusion standardmäßig angewendet und wird von erfahrenen Sachverständigen als einzige objektivierbare Methode zur Beurteilung der okklusalen Verhältnisse anerkannt.
Daher lohnt es sich vielleicht das gute alte Stützstiftregistrat sich doch mal etwas genauer anzuschauen. In meinen Seminaren frage ich immer, wer noch ein Stützstiftregistrat anwendet und in welchen Bereichen. Ca. 30 % aller Teilnehmer nutzen es noch in der Totalprothetik. In anderen Indikationsbereichen findet es kaum Anwendung.
Der häufigste Grund, warum es nicht benutzt wird, ist die Schwierigkeit bei der Auswertung / Interpretation des Pfeilwinkels und der damit verbundenen Herausforderung, wo sich denn nun die Zentrik auf dem Pfeilwinkel befindet.
Das klassische Pfeilwinkelregistrat ist leider nur zweidimensional, es werden nur die sagitalen und transversalen Unterkieferbewegungen aufgezeichnet. Das Kiefergelenk ist jedoch dreidimensional. Die dritte Dimension ist also die Vertikale.
Ohne die Erfassung der vertikalen Unterkieferbewegungen ist die Auswertung des Pfeilwinkels schwierig. Die Festlegung der zentrischen Position ist damit von der Erfahrung des Anwenders abhängig und damit willkürlich. Zudem ist bei einer klassischen Stützstiftregistrierung der Pfeilwinkel sehr klein, was die genaue Positionierung zusätzlich erschwert.
Denn welche Position auf dem Pfeilwinkel ist denn nun die gewünschte zentrische? In dem Moment, wo dem klassischen Pfeilwinkelregistrat die dritte Dimension hinzugefügt wird, ist es einfach möglich die gewünschte zentrische Position zu bestimmen.
Lösungsweg:
Genau dieses dreidimensionale Pfeilwinkelregistrat gibt es seit vielen Jahren.
Vielleicht kennen Sie bereits das Centric Guide® 3D System. Das System ist digital und stützstiftbasiert.
Für eine Centric Guide® Registrierung werden entsprechende Registrierschablonen gefertigt. Diese dienen als Trägermedium für den Stützstift und den 3D Sensor.
Der 3D Sensor verfügt über vier intraorale Sensoren. Ein Sensor erfasst die sagitalen Bewegungen, der zweite die transversalen Bewegungen und zwei weitere die vertikalen Bewegungen für den linken und rechten Kondylus. Dank dieser vertikalen Sensoren ist es möglich, die gewünschte zentrische Position beider Kondylen eindeutig zu visualisieren und sofort in eine zentrische Bissnahme zu überführen.
Die Patienten führen die gleichen Bewegungen wie bei einem klassischen Stützstiftregistrat durch.
Wird nun der Unterkiefer nach vorn bewegt, gleiten die beiden Kondylen an der Gelenkbahn nach vorn unten. Die vertikalen Sensoren werden in der anterioren Position nur wenig belastet. Wird der Unterkiefer nach hinten bewegt, gelangen beide Kondylen in den höchsten Bereich der beiden Fossae. In dieser Position werden die beiden vertikalen Sensoren am stärksten belastet. Dieses Prinzip ist auch als Christensensches Phänomen bekannt. Hat ein Patient zwei Wachswälle im Mund und schiebt den Unterkiefer nach anterior, dann klaffen diese beiden Wachswälle im hinteren Seitenzahnbereich.
In diesem kurzen Video können Sie sehen, wie die Uk Bewegungen in Echtzeit in der Centric Software dargestellt werden. Der zentrische Bereich wird grün dargestellt.
In der Centric Software werden die Unterkieferbewegungen in Echtzeit visualisiert. Bei einer starken Belastung der Sensoren ist der Sensorwert hoch, bei einer geringen Belastung ist der Sensorwert entsprechend gering.
Dank des Stützstifts ist die Okklusion entkoppelt, unsere Patienten können den Unterkiefer also frei bewegen. Durch die beiden vertikalen Sensoren kann der höchste Bereich der beiden Fossae eindeutig dargestellt werden. Die anderen beiden Sensoren erfassen alle horizontalen Bewegungen. Damit wird in der Centric Software neben dem klassischen Pfeilwinkel auch der zentrische Bereich für den Anwender eindeutig visualisiert.
Damit sehen die Anwender genau, wann sich der Unterkiefer in zentrischer Relation befindet. Diese zentrische Relation kann sofort in eine analoge oder digitale Bissnahme überführt werden. Mit einem Luftkissen kann der 3D Sensor in dieser zentrischen Position im Mund des Patienten geblockt werden. Damit verbleibt ihr Patient in der gewünschten zentrischen Position. Die zentrische Bissnahme kann nun analog mittels Bisssilikon oder digital mittels eines Mundscanners durchgeführt werden.
Die sonst als schwierig empfundene Auswertung / Interpretation des Pfeilwinkels ist damit nicht mehr notwendig. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Registrierschablonen dadurch nur einmal in den Mund eingesetzt werden. Bei einem klassischen Stützstiftregistrat müssen die Schablonen wieder aus dem Mund entfernt werden, das Pfeilwinkelregistrat muss ausgewertet werden, der mögliche zentrische Bereich definiert werden, um dann die Schablonen wieder in den Mund einzusetzen und den Patienten in dieser Position zubeißen zu lassen.
Hier wird schon beim Lesen klar, wie viel einfacher, schneller und sicherer eine Centric Guide® Registrierung ist. Die Sensoren bleiben auch während der Bissnahme weiter aktiv. Damit haben die Anwender bis zum Aushärten des Bisssilikons die visuelle Kontrolle, dass sich der Unterkiefer auch weiter wirklich in zentrischer Relation befindet.
Neben der Zentrik werden mit dem System zudem noch die sagitale Gelenkbahnneigung und die Bennettwinkel erfasst. Damit ist Centric Guide® 3D das einzige System, mit dem eine intraorale digitale Bissnahme inkl. einer Achsiografie möglich ist.
Fazit:
Das System kann im voll-, teil- und unbezahnten Kausystem für die Bisserfassung genutzt werden. Die Ergebnisse sind reproduzierbar und können einfach in den analogen oder digitalen Workflow implementiert werden. Damit gibt es keinen Grund mehr, sich über bissbedingte Nacharbeiten zu ärgern. Das klingt zu schön, um wahr zu sein?
Sie haben noch die eine oder andere Frage zu Centric Guide® 3D?
Erleben Sie Centric Guide® 3D einfach live in einem unserer Beginnerworkshops. In diesen Workshops erleben Sie unsere Systeme einmal als Proband und einmal als Anwender. Eine überaus authentische Möglichkeit das erste 3D Stützstiftregistrierverfahren kennenzulernen. Natürlich erhalten Sie auch viele wertvolle Hinweise für die erfolgreiche Implementierung in Ihren Praxis- und Laboralltag.
Alle Termine finden Sie hier.
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